Schöner Wohnen in Gernsheim –
die Interviews

Etwas Beständiges im rasanten Leben – so beschreibt der Architekt und Denkmalpfleger Peter Olf sein Haus in der Schustergasse 10. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Elli Knopf repariert und saniert er sein Elternhaus – momentan noch Zweitwohnsitz –, während er weiterhin zwischen zwei Ländern pendelt.

Interview vom 18. Januar 2025

Was haben Sie saniert?

Immer das Gesamtkonzept im Blick.
„Die erste Frage, die ich mir stellte, war: Ist mir das Haus das wert, respektiere ich das alte Gebäude so, wie es ist, und möchten wir dort leben?”, so beginnt der Gernsheimer Architekt Peter Olf zu erzählen. Als für ihn und seine Partnerin diese Entscheidung eindeutig war, erstellte er zügig ein gesamtheitliches Sanierungskonzept für das Gebäude. „Einer der wichtigsten Schritte für so eine Baumaßnahme ist, dass der Ist-Zustand des Gebäudes sorgfältig erfasst wird.“

Reparieren und sanieren.
Als Bauherr, Architekt und Denkmalpfleger begleitete er die Baumaßnahmen von Anfang an und führte eine Komplettsanierung – inklusive energetischer Sanierung und Erneuerung der Haustechnik – durch: „Sehr wichtig war, dass wir die Seele des Hauses belassen und mehr repariert als saniert wurde.” Es ging ihm nicht nur um ästhetische Aspekte, sondern auch den nachhaltigen Umgang mit Baumaterialen. Seine Lebensgefährtin ergänzt: „Im Gebäude haben wir gewisse Räume zurückhaltend angepasst oder umorganisiert.” So ist das Esszimmer zum Beispiel eine ehemalige Schlafstube. Ein Highlight und Wunsch des Hausherrn ist der Backofen in der modernen Küche: Er wird mit Holz betrieben und kann backen, aber er dient auch als Heizofen für die umliegenden Räume. Im neuen Badezimmer, einst ein Hühnerstall, ist die Preußische Kappendecke freigelegt worden – ein Zeitfenster.

Warum gerade zum damaligen/jetzigen Zeitpunkt?

Architekt und Pendler zwischen der Schweiz und Gernsheim.
„Ich habe die letzten 40 Jahre meinen Lebensschwerpunkt in der Schweiz”, verrät Peter Olf über sein Leben. Dort ist er als Architekt tätig und betreibt ein erfolgreiches Architekturbüro. „Trotzdem hatte ich immer einen Bezug zu Gernsheim, zumal ja auch meine Eltern und Geschwister hier leben und auch viele Gernsheimer Freunde.”

Nach dem Tod seiner Mutter wurde das Haus 2020 zwischenvermietet, bevor die Sanierung begann. Peter Olf berichtet: „Beginn der Baumaßnahme war am 7. August 2023 – genau zum Fischerfest-Montag ohne Frühschoppen.” Sein Bauprogramm war für sechs Monate ausgelegt, es hat dann aber doch bis zum Anfang des März 2024 gedauert. Er machte gute Erfahrungen und erfuhr eine große Verbindlichkeit, da er ausschließlich Handwerker aus der Region beauftragte. „Da ich am Wochenende sowieso in Gernsheim war, haben wir die Baubesprechungen einfach auf den Freitag oder Montag gelegt.“ Er verrät auch, dass er noch ein paar Jahre in der Schweiz arbeiten wird und dann wieder vollständig zurück nach Gernsheim ziehen möchte.

Wie sind Sie auf die Anreizförderung aufmerksam geworden?

Ein erfolgreicher Besuch.
„Ganz einfach: Bei einem Besuch in Gernsheim hat mich eine Stadträtin auf die Anreizförderung aufmerksam gemacht “, so Peter Olf.

Wie sind Sie an das Gebäude gekommen? 

Ein Haus vieler Generationen.
„Ich bin hier aufgewachsen und wurde sogar in dem Haus geboren”, erzählt Peter Olf. „Meine Mutter hat hier ihr ganzes Leben gelebt und meine Großeltern auch.“  Kein Wunder also, dass er sich hier verwurzelt fühlt und sein Elternhaus als zukünftigen Lebensort übernommen hat.

Was bedeutet Ihnen das Haus? 

Etwas Beständiges im rasanten Leben.
„Durch die vielen Ortswechsel in meinem Leben hatte dieses Haus immer etwas Beständiges”, erzählt Peter Olf bewegt. „Hier hatte ich stets eine Anlaufstelle in Gernsheim und hier fühlen wir uns jetzt sichtlich wohl.“ Er betont aber auch, dass es nicht nur um sein eigenes Wohlbefinden geht: „Ein Haus zu sanieren bedeutet auch etwas für die Umwelt zu tun, denn die Verwendung und Ertüchtigung alter Baumaterialien bedeutet, keine neuen Ressourcen zu verschwenden.“
Sich eines Hauses anzunehmen, heißt auch, eine nicht endende Aufgabe zu beginnen. Elli Knopf berichtet von den zukünftigen Projekten: „Der Innenhof ist noch voll mit unterschiedlichen Bodenbelägen und mit einem kleinen Schuppen verbaut – hier können wir uns eine schöne Sitzecke vorstellen.” Zuerst muss die Hoffläche entsiegelt werden und dann wollen sie unbedingt einen Laubbaum pflanzen. „Dafür werden wir sicherlich nochmal die Anreizförderung nutzen!“

Wieso ist es für Sie wichtig, dass die Häuser in Gernsheim schön aussehen?

Immer mit dem Blick in die Zukunft.
„Jedes Haus hat eine Geschichte und die Vielfalt macht die Nachbarschaft interessant. Ich habe in Gernsheim eine schöne Kindheit und Jugend verbracht, vor allem auf den Straßen der Altstadt. Dieses Bewusstsein möchte ich erhalten, aber immer mit dem Blick in die Zukunft, deshalb `reparieren und sanieren`.“

Als Architekt könnte Peter Olf sich gut vorstellen, auch Interessierte bei ihren Baumaßnahmen zu beraten. „Wir haben die Fenster und Klappläden wieder aus Holz gebaut, sie sind wunderschön geworden und es wäre schön, wenn andere Gernsheimer nachfragen würden, wie wir was gemacht haben.” Mit seinem fachlichen Wissen und seinem Haus könnte er als Vorbild dienen.

Peter Olf sieht auch in der Stadtentwicklung aufs Große: Für eine nachhaltige und freundliche Stadtentwicklung wünscht er sich auch für Gernsheim einen Masterplan, der sowohl die Innenstadt als auch die Randlagen mit den Gewerbegebieten betrachtet. „Wahrscheinlich gibt es solche detaillierten und zeitgemässen Planungen schon seit einiger Zeit.”

Was finden Sie gut am Leben in der Gernsheimer Innenstadt?

Wohnen mittendrin.
„Das Stadtgefüge von Gernsheim ist besonders, denn man kann den römischen Stadtgrundriss erahnen und das ist harmonisch.” Gedanken bereitet dem Architekten, dass es etliche Stellen in der Innenstadt gibt, die etwas vernachlässigt wirken. „Das fällt mir besonders auf, wenn ich nach einiger Zeit wieder nach Gernsheim komme“, findet er. „Bestechend ist das soziale Leben und das freundliche Miteinander, dass aber auch gepflegt werden sollte.“ Elli Knopf ergänzt, wie sehr sie das Leben im Zentrum schätzt: „Wir können alle wichtigen Orte fußläufig erreichen, der Rhein ist auch in unmittelbarer Nähe und mit den Fahrrädern ist man auch recht schnell überall.“

 

Wie ist Ihr Feedback zum Förderverfahren?

„Es war eine tolle Zusammenarbeit mit den städtischen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern“, sagt Peter Olf, „aber manchmal auch zu kopflastig.“ Er wünscht sich ein vereinfachtes Verfahren, damit nicht bei jeder kleinen Maßnahme drei Vergleichsangebote vorgelegt werden müssen. Denn Unternehmer haben oftmals kaum zeitliche Kapazitäten, um Angebote zu erstellen.

 

Was können Sie als Tipp anderen weitergeben? 

Nachmachen erwünscht.
„Mach´s nach“, so steht´s im Berner Münster. Das Motto des vierten Baumeisters gibt Peter Olf zur Ermutigung gerne weiter. „Denn eine kleinere Sanierungsmassnahme kann ein Gebäude schon aufwerten, es muss ja nicht zwingend eine umfassende Sanierung sein!”

Mehr Informationen zu dem Förderprogramm
finden Sie in unserem Faltblatt zum Anreizprogramm

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